Die Runen

Ich weiß, dass ich hing am windigen Baum

Neun lange Nächte,

Vom Speer verwundet, dem Odin geweiht,

Mir selbst, ich selbst,

Am Ast des Baums, dem man nicht ansehen kann,

Aus welcher Wurzel er sproß.

Sie boten mir nicht Brot noch Met,

Da neig ich mich nieder

Nahm Runen auf, nahm sie ächzend:

Da fiel ich ab zur Erde.

138. und 139. Strophe aus dem Havamal (Das Lied des Hohen) Ältere oder Poetische Edda

 

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Wie anhand dieser beiden Strophen zu erkennen ist, wird hier die Einweihung des Odin auf schamanistische Art beschrieben. Der erste Satz "ich weiß, dass ich hing am windigen Baume" verdeutlicht, dass Odin bei vollem Bewusstsein ist, während er die Runen empfängt. Er unternimmt eine Reise durch die neun Welten Yggdrasills und in jeder der Welten erfährt er die Mysterien der zugehörigen Runen. Nachdem er das Wissen um die Runen verstanden und in sich aufgenommen hat, fällt er erschöpft, aber als Eingeweihter zur Erde nieder.

Derjenige, der sich ernsthaft mit den Runen beschäftigt wird das Gefühl der Erschöpfung kennen welches sich nach einer Runenweihe oder einer Zeremonie einstellt. Aber nun ein klein wenig zur Historie.

Der Ursprung

Edred Thorsson weist in seinem Buch " Handbuch der Runenmagie" darauf hin, dass bereits in der Bronzezeit die Priester und Magier die heiligen Zeichen intuitiv empfingen. So deuten Felszeichnungen auf runische Symbole in einfacher Form hin. Anfangs waren diese prä-runischen Zeichen rein hieroglyphischer Natur. Durch die Berührung der Kulturen germanischer und mediteraner Völker, wuchs der Wunsch, Sprache durch Symbole auszudrücken. Es existieren zwei wissenschaftliche Meinungen wo dieser Ursprung der Schriftzeichen zu suchen sei:

Die erste Meinung: Als die Teutonen und Zimbern im 2. Jhd. v. Chr. die italienische Halbinsel eroberten., kamen sie mit dem lateinischen und dem nordetruskischen Alphabet in Berührung.

Die zweite Meinung: Die Runen stammen ursprünglich von den Goten ab und finden ihren Ursprung im 2. Jhd. n. Chr. als der Stamm der Goten sich noch an der baltischen Küste aufhielt.

In Skandinavien finden sich Runensteine die darauf hinweisen, dass die Runenlehre bereits im Jahre 200 v. Chr. nahezu voll entwickelt war. Altgermanische Priester bedienten sich der Zeichen für magisch-religiöse Praktiken. Nachdem die Runen auch als Laut und Zeichenformeln Verwendung fanden, wurden sie fester Bestandteil als galdrar (Ein Gesang um die Kraft einer Rune anzurufen). Die Runen wurden in damaliger Zeit häufig als magische Zeichen und zum Schutz in Amulette aus Holz und Knochen geritzt die natürlich einem gewissen Alterungsprozess unterworfen waren und zwischenzeitlich bis auf wenige Moorfunde verottet sind. Dies erklärt auch den Umstand, warum man vermutlich niemals das genaue Alter der Runen nachweisen wird.

Bekannte Runenfunde: Der Stein von Noleby aus dem Jahr 600 trägt als Innschrift eine vermutlich magische Formel, die mit dem Satz beginnt "Eine Rune male ich, eine von den Göttern stammende.."

Die Steinplatte von Kylver wurde im inneren eines Grabes gefunden. Die Platte ist mit mehreren Runenzeichen versehen. Auch hierbei handelt es sich vermutlich um eine magische Formel, da es seinerzeit einen Glauben an die Wiedergeburt nicht gab, hatten die Menschen Angst vor Wiedergängern. Die runeninschriften können also entweder als Schutz vor Grabräubern oder als Siegel für das Grab gegolten haben.

Die goldenen Trinkhörner von Gallehus. Auf diesen Trinkhörnern sind Menschen dargestellt, die besondere Körperhaltungen einnehmen die man als Runenstadha oder Runenstellung bezeichnen kann und die mit großer Sicherheit Anwendung bei rituellen Zeremonien gefunden haben.

Fest steht jedoch, dass die Runen aus einer magischen Tradition entstammen, dort Ihren Ursprung haben und diesen Hintergrund bis heute beibehielten. Wir sollten uns bei der Arbeit mit den Runen immer dieser Tatsache bewusst sein.

Für all jene die sich näher mit diesem Thema auseinander setzen möchten, findet sich in der Navigation unter den Aettir die entsprechenden Erklärungen zu den Runen

 

 

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