Sicherlich könnt Ihr Euch noch gut an den Rabengalgen erinnern. Als ich seinerzeit den Artikel las, wurde mir schlicht und ergreifend übel. Aufgrund der Presse hätte ich jedoch nicht damit gerechnet, dass sich ein ähnlicher Vorfall alsbald wiederholen würde.

Tja, weit gefehlt. Aber macht Euch ein eigenes Bild. Interessant finde ich diesmal die Berichterstattung. Der Artikel ist so kurz, dass man ihn leicht hätte überlesen können.


Tote Krähen aufgehängt

Lahausen (dch). Ein Kirchweyher Landwirt hat auf einem seiner Felder erneut Kadaver toter Krähen an einem Holzgalgen aufgehängt. Sie sollen lebende Artgenossen abschrecken.. Der Brauch ist ethisch und jagdrechtlich umstritten. In diesem Fall soll es sich um bereits tote Fundtiere handeln.

(Quelle: Weserkurier 11. Nov. 2003)


Hochgradig interessant ist die Tatsache, dass es sich um tote Fundtiere handeln soll.

Nun müsste man den Eindruck gewinnen, dass bei uns im Landkreis unentwegt und dicht an dicht tote Krähen herumliegen. Mir ist dies noch nicht sonderlich aufgefallen. Vermutlich bin ich einfach zu unaufmerksam.

Für wie dumm will man den Leser hier eigentlich verkaufen? In diesem Zusammenhang habe ich mir einmal die Mühe gemacht, mich mit dem Artenschutzgesetz zu befassen, um in Erfahrung zu bringen, ob es sich in diesem und den sicher noch folgenden Fällen lohnt, eine Anzeige zu erstatten.

Zunächst wollte ich an dieser Stelle eine Zusammenfassung schreiben. Je mehr ich mich in die Materie vertiefte, desto klarer wurde mir jedoch, dass ich Euch damit langweilen würde. Kurz und knapp kann man jedoch für die meisten Bundesländer behaupten, dass der Artenschutz für Rabenvögel mehr oder weniger Ländersache ist.

Die Kolkraben (Corvus corax) haben es immerhin geschafft, dass sie in den Zuständigkeitsbereich der EG Vogelschutzrichtlinien (Amtsblatt der EG Nr. LI 03 vom 25.04.1979) fallen. Die Richtlinie besagt, dass Rabenvögeln der Schutz vor grundloser, rücksichtsloser Nachstellung zugebilligt wird.

Die Bundesrepublik Deutschland hat es dann tatsächlich schon im Jahre 1986 geschafft, die Richtlinie der EG (die als Rechtsakte gem. Artikel 169 EWG-Vertrag eine rechtlich bindende Vorgabe für alle Mitgliedsstaaten darstellt) mit der Bundesartenschutzverordnung vom 19.12.1986 zu folgen.

Die drei Rabenvogelarten Elster, Eichelhäher und Rabenkrähe wurden somit dem Jagdrecht entzogen und gemäß Naturschutzgesetz besonders geschützt:

der Jagdschutz findet dort seine Grenze, wo es sich um wildlebende

(nicht dem Jagdrecht unterliegende) Tiere handelt, die nach

Bundesnaturschutzgesetz in Verbindung mit § 1 Bundesartenschutzverordnung

Unter besonderen Schutz gestellt sind.

(Quelle: Mitzschke & Schäfer, Rdnr. 2 zu § 23 BJG)

Man könnte nun meinen, dass damit alles in Ordnung sei. Weit gefehlt! Diese Entscheidung rief die Jäger auf den Plan. In einer bundesweiten Hetzkampagne gegen die Vögel wollte man dem Bürger weismachen, dass die Vögel nun unter Totalschutz stehen würden.

Der naturschutzrechtliche Status „ besonders geschützt“ ,sieht in begründeten Fällen Ausnahmen von diesem Schutz vor. Diese Ausnahmen sind jedoch klar geregelt und treffen nur dann zu, wenn es keine andere zufrieden stellende Lösung gibt.

Was geschah nun? Die EG-Vogelschutzrichtlinien wurden am 08.06.1994 geändert. Dies geschah auf Antrag mehrerer Mitgliedsstaaten der EG. Und allen voran mit treibender Kraft der Bundesrepublik Deutschland. Durch diese Änderung durften folgende Rabenvögel in bestimmten Mitgliedsstaaten der EU wieder bejagt werden, Dohle, Elster, Saatkrähe, Aaskrähe und die Elster. In Deutschland durften Dohle und Saatkrähe nicht bejagt werden.

Der Kolkrabe hatte insofern Glück, als dass er jagdrechtlich ganzjährig geschützt bleibt.

Allerdings ist es natürlich schwierig, den Kolkraben von einer Aaskrähe zu unterscheiden, da ja bekanntlich beide schwarz sind und ein Versehen somit nicht ausgeschlossen werden kann.

In diesem Zusammenhang würde mich interessieren, wer sich noch an die Wölfin erinnert, die sich dummerweise nach Deutschland verirrte und dann leider von einem Jäger mit einem Schäferhund verwechselt wurde ( die ja ebenfalls zum Abschuss freigegeben sind ) und erschossen wurde. Ja, so war das. Irren ist menschlich

In diesem Sinne und bis bald