Der nachfolgende Artikel erschien am 29. März 03 im Osterholzer Kreisblatt

Tote Krähen am Wegesrand

Schwanewede. ,,Das sind ja Zustände wie im Mittelalter." So mancher Spaziergänger, der am Acker von Landwirt Reinhard Solte vorbeikommt ist entsetzt. Keine20 Meter vom Weg entfernt baumeln zehn tote Rabenkrähen in der Luft- aufgeknüpft an an fünf Holzpfählen neben dem Silohaufen. Kein schöner Anblick diese Vogelleichen am Galgen. Doch Ästethik interessiert den Bauern aus Leuchtenburg nur wenig:,, Für mich steht die Sicherung meines Betriebes im Vordergrund."
Landwirt Solte setzt auf die Abschreckungsmethode: Die toten Vögel sollen ihre neugierigen Artgenossen davon abhalten, Löcher in die Silofolie zu picken. Denn wenn Luft an den Vorrat herankommt, verottet er und wird als Viehfutter unbrauchbar. Das Aufhängen toter Krähen zur Vergrämung hat unter Landwirten eine lange Tradition. Zeitgemäß ist diese Art der Leicheschau aber nicht: Uwe von Seht von der Landberatung Osterholz schätzt, dass heute etwa 90 Prozent der Landwirte große Netze um die Silofolie spannen um die Vogelattacken zu vermeiden. Auch Solte hat solche Netze schon einmal ausprobiert, die Wirkung aber hat ihn nicht überzeugt. Einige tausend Euro hat er investiert, doch der Erfolg soll nur mäßig gewesen sein.
Effekt hin oder her: Für Naturschützer wie Hans-Gerhard Kulp kann es keine Rechtfertigung dfür geben, dass Krähen für solche Zwecke umgebracht werden.,,Der Umgang mit den Wildtieren ist barbarisch. Was macht das denn für einen Eindruck gegenüber den Verbraucher, wenn die sehen wie ein Landwirt mit der Natur so umgeht?" , sagt der Leiter der Biologischen Station Osterholz. Kulp verweist darauf, dass der Tierschutz ins Grundgesetz aufgenommen worden ist. ,,Das sollten auch solche3 Leute kapieren, die soetwas tun".
Die Krähengalgen von Leuchtenburg haben in den vergangenen beiden Tagen schon einige Leute beschäftigt: Die Polizei wure eingeschaltet, sah sich die Lage vor Ort an, um dann zu dem Schluss zu kommen, nicht zuständig zu sein. Als nächstes trat die Gemeindeverwaltung auf den Plan. Bürgermeister Harald Stehnken empfindet die in Reih und Glied aufgeknüpften Krähen zwar auch als ,,unmöglich", doch eine rechtliche Handhabe dagegen sieht er nicht.. Bliebe noch die Untere Jagdbehörde des Landkreises: Die bejaht zwar ihre Zuständigkeit, doch unternommen hat sie bislang nichts. Am Montag soll darüber beraten werden, ob man aktiv wird.
Nach Ansicht einiger Naturschützer wäre es höchste Eisenbahn, etwas zu tun. Denn zu klären wäre beispielsweise, wann die Rabenkrähen getötet wurden und auf welche Weise ihnen nachgestellt wurde. Die Vögel dürfen zwar nach dem seit April 2001 geltenden niedersächsischen Jagdgesetz geschossen werden, doch es gibt auch Schonfristen. Strickt verboten ist es gar, die Krähen in Fallen zu fangen, so wie es lange Jahre gängige Praxis war. Seit dem 21. Februar darf kein Jäger mehr einen Schuss auf eine Rabenkrähe abgeben. Bis zum 31. Juli gilt die Schonzeit. Im konkreten Fall bedeutet dies, dass den Leuchtenburger Krähen schon vor wenigstens fünf Wochen das Leben ausgehaucht worden sein muss, sofern alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Landwirt Solte besteht darauf, dass die Krähen während der Jagdzeit von einem Jäger aus Axstedt geschossen wurden . Anschließend habe man sie in einem Schuppen verwahrt und vor einigen Tagen herausgeholt, um sie aufzuhängen. Ob sich tatsächlich alles so abgespielt hat, ließe sich nur klären, wenn man die Vögel nach allen Regeln der Kriminalistik untersuchen würde. Ob es soweit kommt, bleibt abzuwarten. Fürs erstte werden die Krähen wohl weiter an ihren Galgen baumeln. Landwirt Solte denkt nicht daran, sie abzunehmen: Die Tiere sollen so lange bleiben, bis die Schwärme ihrer lebenden Artgenossen wieder abgezogen sind.
Ich weiss nicht, wie es Euch jetzt geht, mir war jedenfalls schlecht vor Wut bei diesen Zeilen........