Über Raben

auf den folgenden Seiten möchte ich Sie ein wenig mit der Faszination anstecken. Die ich beim Anblick oder dem Schrei eines Raben oder einer Krähe fühle. Wenn Sie es bis hierhin geschafft haben, dann sind auch Sie nicht ganz abgeneigt, den schwarzen Vogel von einer anderen Seite oder Sichtweise zu betrachten. Beginnen wollen wir mit dem folgenden Mythos...

Raben

Der Mythos von den Rabeneltern  

Jeder kennt den Vergleich indem behauptet wird, dass es sich bei nicht besonders fürsorglichen Eltern um Rabeneltern handelt. Das Brut und Aufzuchtverhalten von Rabeneltern entspricht diesem Märchen jedoch in keiner Weise.

Rabenweibchen legen erst nach drei bis vier Lebensjahren die ersten Eier dazu ist allerdings Voraussetzung, dass die Dichte des Rabenbestandes dies zulässt. Bei sehr hohen Dichten ist es durchaus nicht ungewöhnlich, dass es erst nach fünf bis sechs Jahren zur Eiablage kommt.

Raben leben monogam solange der Partner nicht verstirbt. Im Falle von Partnerverlust kommt es jedoch relativ schnell zu einer neuen Paarbildung. Die Paare finden meist im Winter des zweiten Lebensjahres zueinander. Im Frühjahr des darauf folgenden Jahres kommt es dann zwischen den Raben zu einer intensiven Balzzeremonie. Jedoch erst im Vorfrühling des dritten Jahres versuchen sich die Vögel am Nestbau. Das Männchen beginnt sozusagen mit dem Rohbau und das Weibchen kleidet die Nestmunde mit Birkenrinde, Tierhaaren, Moosen und sofern vorhanden Wolle aus. Nach dem dritten Winter wird gebrütet. Das Revier der Raben beträgt in der Größe je nach Güte und Beschaffenheit 1000 bis 5000 Hektar.

Raben sind Reviertreu und es gibt Nachweise darüber, dass Rabenpaare 20 Jahre den gleichen Brutplatz aufsuchten. Dieser Umstand erklärt auch die enorme Größe der Rabenhorste, die durch die ständige Erweiterung und Erneuerung teilweise eine Höhe von 1.5 Metern erreichen können. Die bevorzugten Brutplätze befinden sich in sehr hohen Bäumen, oder in schroffen Felswänden. Raben meiden in der Regel reine Waldgebiete, da sie zum Jagen und für die Nahrungssuche Waldrandgebiete oder Freiflächen benötigen. Die Vögel benötigen für den Bau des Nestes ungefähr drei Wochen. Der Horst wird unmittelbar vor der Eiablage fertig. Raben gehören zu den Frühbrütern und so ist es nicht ungewöhnlich, dass die Eiablage in milden Wintern bereits im Januar geschieht. Das Weibchen legt innerhalb von bis zu 48 Stunden drei bis sechs Eier. Bei den Raben brüten nur die Weibchen, das Männchen ist während der ersten 14 Tage in denen das Weibchen hudert damit beschäftigt ihren Nahrungsbedarf zu decken. Zu diesem Zweck neigen Raben dazu, Beute zu verstecken zum Beispiel legen sie Verstecke aus Baumsamen wie Bucheckern an. In Nahrungsarmen Zeiten werden diese Verstecke dann aufgesucht.

Nach einer Brutdauer von 21 Tagen schlüpfen die Jungen die zunächst nur vom Weibchen gefüttert werden. Nachdem die Jungen einige Tage alt sind, werden Sie von beiden Vögeln gefüttert. Bei großer Sonneneinstrahlung feuchtet das Weibchen ihr Bauchgefieder an und kühlt die Jungen. Nach vier Wochen und optimaler Versorgung der Jungen sind keine Größenunterschiede bei den Jungvögeln mehr erkennbar. Für die Jungvögel beginnt nach 43 bis 46 Tagen die Lernphase. Durch ihren ausgeprägten Folgetrieb verlassen sie den Horst und folgen den Eltern um deren Verhaltensweisen zu erlernen.

Von nun an lernen sie noch weitere 50 bis 60 Tage von ihren Eltern bis sie diese verlassen um sich Nichtbrüterkollonien anzuschließen.

Verluste während der Brut oder in der Jungvogelphase sind durch menschliches Zutun enorm, weitere Faktoren sind Stürme starke Regenfälle oder ein unzureichendes Nahrungsangebot.

 

Ich meine, dass aus diesen Zeilen ersichtlich wird, dass sich Raben außerordentlich fürsorglich um ihre Jungen bemühen. Eine sehr schöne Beschreibung findet sich bei Bernd Heinrich in seinem Buch „Die Seele der Raben“ in dem er seine Tagebuchaufzeichnungen während seiner vierjährigen Rabenforschung niederschrieb:

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Die Adulte (es ist das Weibchen wie ich bald feststellen werde) bleibt. Sie beugt sich nieder und knabbert mit ihrem großen Schnabel sanft zwischen den Federn auf dem Kopf eines der jungen. Sie fährt damit fort bis zum Schnabelansatz des Nestlings, dann putzt sie zärtlich die winzigen Federn um das Auge. Der kleine Rabe scheint diese Behandlung angenehm zu finden, denn er hört mit der Zappelei auf, schließt die Augen und gibt leise sanfte Töne des Wohlbehagens von sich. Nach zehn Minuten greift sie über ihn und beginnt mit dem nächsten, putzt dann die beiden anderen ebenso methodisch. Alles in Allem arbeitet sie etwa eine halbe Stunde an ihnen….

 

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